Unser Grätzl

Unser Grätzl liegt im Grenzgebiet dreier Bezirke: 14. (Penzing), 15. (Rudolfsheim-Fünfhaus) und 16. (Ottakring). Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein haben sich auf dem Gebiet der Schmelz Äcker und Weingärten befunden. Bewohnt und bewirtschaftet wurde die Schmelz von verarmten Kleinhäuslern. Heute sind diese Grünflächen verschwunden. Die Menschen, die hier leben, haben es aber noch immer schwer. Unser Grätzl ist charakterisiert durch dichte Verbauung, viel Verkehr, dem wienweit höchsten Anteil an MigrantInnen (47 Prozent), hohe Arbeitslosigkeit und geringe Einkommen.

Bevölkerungsdichte
Der 15. und 16. Bezirk gehören im Bereich der Schmelz zu den dichtest bebauten Gebieten der Stadt. Heute leben etwa 73.000 Menschen im 15. Bezirk. In Ottakring sind es 96.400. Das sind fast 9.000 Menschen mehr als noch vor zehn Jahren. Die Politik weiß um die angespannte Lage, dennoch wird weiter verdichtet: Auf der Schmelz wurde auf der vom Sportverein ASKÖ genutzten Fläche ein StudentInnenheim mit etwa 320 Plätzen (geplant waren 250 Plätze) errichtet.

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Diskutiert wird auch eine Umwidmung der Radetzky-Kaserne, die direkt an der Schmelz liegt, in Wohnraum. Wo ist der Grünraum für all diese Menschen? Schon heute müssen sich die Bewohner des Grätzels um die Schmelz mit nur 2,25 m² Grünraum pro Kopf begnügen. Sogar ein Freilandhuhn hat in Österreich auf 8-10 m² Auslauf Anspruch. Wir Menschen benötigen zu unserem Wohlbefinden mindestens 10-15 m² Freifläche! (s. Rudolfsheim-Fünfhaus: Leitlinien für die Bezirksentwicklung, Wien 2001, S. 35.)

Gesundheit
Ein Blick in die Statistiken zeigt: In drei Wiener Gemeindebezirken sterben Männer bevor sie 73 Jahre alt werden: Der 15. Bezirk gehört dazu. Die Rudolfsheim-Fünfhauser sterben damit vier Jahre vor ihren Geschlechtsgenossen im ersten Bezirk (gruenmed). Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie Österreich, hat es so auf den Punkt gebracht: „Sage mir wo du wohnst und ich sage dir, wann du stirbst. Die Menschen im 15. Bezirk sterben früher, weil sie ärmer sind, denn wenig Geld zu haben, bedeutet größeren Stress zu haben, auf Wahlärzte verzichten zu müssen, keine Zeit zum Auskurieren von Krankheiten zu haben, so Schenk.

Armut und Reichtum
Auch beim Einkommen ist der 15. Bezirk Spitzenreiter – im Negativen: 2011 lebten die Rudolfsheim-Fünfhauser durchschnittlich von € 23.053 (netto € 16.416) im Jahr. Die Bewohner des ersten Bezirks erfreuen sich dagegen eines durchschnittlichen Einkommens, das mehr also doppelt so hoch ist wie das ihrer MitbürgerInnen aus dem 15. Bezirk (brutto € 53.601, netto 34.333) durchschnittlich. (Einkommensstatistik).

Verkehrsbelastung
Entlang der Schmelz liegt die Gablenzgasse, die als zweite Westeinfahrt in die Stadt fungiert. Parallel dazu, zwei Gassen weiter, führt die Koppstraße die Autokolonnen wieder hinaus aus der Stadt. Eine enorme Lärm und Schadstoffbelastung der Bevölkerung sind die Folge. Wir haben zu wenig Grün, zu wenig öffentlich benutzbaren Sportflächen und viel zu viel Verkehr.

Aus all diesen Gründen: Wir brauchen eine bessere Lebensqualität. Der Freiraum Schmelz ist die Antwort!