Die Schmelz historisch

Die Schmelz ist eine der größten Grünflächen im Westen Wiens. Bis zur Jahrhundertwende war dieses Gebiet noch weit größer als heute. Es reichte in seiner Längsrichtung vom Gürtel bis zur Huttengasse (heute: Schnellbahn), in der Querrichtung von der Gablenzgasse bis zur Hütteldorferstraße. Aber auch die umliegenden Gebiete waren Mitte des 19. Jahrhunderts noch weitgehend unverbaut.

Die Schmelz 1908

Die Schmelz hat eine ganz eigene Geschichte. Bis zum 19. Jahrhundert war das Areal eine locker besiedelte Vorortgegend. Erst nach 1850 wurde die Fläche bewusst von Bebauung freigehalten. Sie war nämlich im unteren Teil – im Gebiet der heutigen Stadthalle – Friedhof und im oberen Bereich Exerzier- und Paradeplatz.

Bis zum Ersten Weltkrieg war die Schmelz, wenn sie nicht gerade militärisch genutzt wurde, eine „Gstettn“. Diese ausgedehnte Heidelandschaft war durch keine Straße erschlossen, voller Furchen und Hügel, bei Regenwetter lehmig und dreckig. Teilweise wurde auf der Schmelz Sand und Aushubmaterial, etwa vom Bau des Nibelungenviertels, abgelagert. Die Gegend war aber auch ein „Jugendparadies“ (Max Winter, 1913) und ein Erholungsgebiet für die Bewohner der umliegenden Viertel. Hier wurde Fußball gespielt, Kinder und Erwachsene ließen Drachen steigen, im Freien wurde tarockiert, im Winter war das Gelände Rodelstrecke, im Sommer gab es einen kleinen Teich mit Grundwasser, in dem gebadet wurde und der – etwas großspurig – als „Gänsehäufel des Westens“ bezeichnet.

Wohnungsnot und Rotes Wien

Ende des Ersten Weltkrieges brach die Monarchie zusammen, das Militär war diskreditiert. Wien erhielt erstmals eine sozialdemokratische Stadtregierung. In dieser politischen Umbruchszeit wurde der Exerzier- und Paradeplatz aufgelassen. Im oberen Teil des Geländes entstanden unmittelbar nach dem Krieg wilde Barackensiedlungen, die von Obdachlosen bezogen wurden. Um die Wohnungsnot zu lindern, ermöglichte die Stadt in großen Teilen der Schmelz die Errichtung von Kleingärten. Im westlichen Teil des Geländes wurden nach 1919 städtische Wohnanlagen erbaut. Auf dem Gelände zwischen Possingergasse und Minciostraße entstand zwischen 1919 und 1924 der erste Wiener Gemeindebau des Roten Wien.
Ab den 1970er Jahren wurde der obere Teil der Schmelz zunehmend verbaut. An der Possingergasse entstand 1973 das Universitäts-Sportzentrum „Auf der Schmelz“ mit seinen ausgedehnten Sportanlagen. Daran angrenzend errichtete der „Arbeiter-Sport-Klub“ ASKÖ zwischen 1974 und 1980 ein neues Sportzentrum. Der dazugehörige Sportplatz wurde bereits nach dem Ersten Weltkrieg von unterschiedlichen Clubs als Fußballplatz genutzt. Ebenfalls im oberen Bereich des Geländes entstand 1973 das Gymnasium GRG 15.

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FRISCH Freiraum Initiative Schmelz veranstaltet regelmäßig Stadtspaziergänge zur Geschichte und Gegenwart der Schmelz.  Mit Dr. Anton Holzer (Historiker): Die Schmelz: was sie war, was sie ist (ca. 1 Stunde, keine Anmeldung erforderlich)
Termine auf der Webseite, Facebook und per Newsletter.

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